Der flott-fesche Blödian

Spiegel-Autor Werner Theurich ist der Tor des Monats Januar

Von Kurt Axtmann

Wissend, dass einen der pure Schrott und Schleim erwartet, klickt man in leicht verwahrloster abendlicher Verfassung doch hin und wieder auf einen Spiegel-Online-Text von Werner Theurich, der vorgibt, sich mit musikalischen Themen zu befassen. Und hoffend auf ein Körnchen substantiellen Goldes im zeitgeistgesättigten Faulschlamm wird man regelmäßig enttäuscht. Er meint von sich, er schriebe flott, und da hat er recht, weil er so schön gedankenfrei und lax vor sich hin lobt. Wegen Beleidigung sollte der Dirigent Paavo Järvi klagen, dem ausgerechnet der sprachflegelnde Theurich jüngst eine „flotte Schreibe“ attestierte. Järvi also schreibt so blöd wie Theurich, und solch blöden Statements entspräche die musikalische Interpretation?

Ein opportunistischer Depp

Neinnein Theurich, man muss den Dirigenten Järvi vor solch flott-feschen Blödianen wie Ihnen in Schutz nehmen. Die gefeierte CD erscheint zwar erst noch, aber im Deutschlandfunk war die Interpretation von Schostakowitschs Sechster zu hören. Und die war schon lebhaft und intelligent; auf die blödsinnige Charakterisierung jedoch „Das Presto kitzelt die Sinne“, gar noch als Zwischentitel hervorgehoben, kann doch nur ein opportunistischer Depp kommen, der nebenbei für die Lifestyle Abteilung kennerisch über Schuhe und Wellness-Hotels fabuliert. Typen wie der Theurich wollen die Methoden der Werbetexterei aufs kritische Metier übertragen. Und reüssieren teils damit.

Alles versiertes Geschwätz, hin und wieder auftrumpfend mit dürftigem Insider-Klatsch garniert, ohne jeden Bezug zur Sache. Wo‘s drauf ankäme, muss Theurich passen. Er teilt wohl mit, dass Opus 110 in der Bearbeitung von Abram Stasewitsch gespielt wird. Warum nicht in der von Rudolf Barschai? Schätzt Järvi gerade die prominente Paukenstimme bei Stasewitsch? Von Theurich ist es nicht zu erfahren. Dafür erklärt er in wichtigtuerischer Parenthese, dass Järvi gerne lächelt; erläutert, dass es an der Ostsee gelegentlich windig ist und frotzelt den Leser frech mit der werbetexterischen Dummenfängerei, in diesem Jahr bliese der Wind besonders inspirierend. Weil der Järvi da ist und in Tallinn ein Festival stattfindet. Und der windige Schmock Theurich eine Überleitung braucht.

Theurich über klaschisse Musik

Theurichs theurichtes Gefasel