Theurichtes Gefasel über Musik

Neues vom törichten Theurich, der auf Spiegel-Online west:

Von Kurt Axtmann

Brahmsens f-moll und Es-Dur Klarinettensonaten hält er für „bescheiden anmutende Stücke“; gleichwohl „faszinieren sie mit einem dichten Geflecht aus schwebenden Melodien und klanggewordener Melancholie“. Ja wat nu – faszinierend oder bescheiden anmutend? Die Interpreten sind Professoren. Daher wundert sich der Kennerschaft simulierende Blödel über deren angeblich „forschen Zugriff“, der aber andererseits angeblich „spätromantisch beseelt“ sei. Ja wat nu – forsch oder beseelt? Der Werbetexter versucht sich als Musikkritiker.

Die Klarinette ist „das meist jubilierende Holzblasinstrument“. Hahahahaha. Andererseits hat die f-moll Sonate einen „nachdenklichen Duktus“. Und der Klarinettist, der das Missvergnügen hat, vom Theurich gelobt zu werden, verfügt über einen „selbstbewussten Ton“. Dank dessen er dem Werk „viel Kraftlinien entlockt“. Du viel gut, Theurich.

Von was, bittschön, ist die Es-Dur Sonate geprägt? Na klar, von „vielfarbig durchgestaltetem Pianospiel“ und einer „schillernden Klarinette“.

Es wird in der eh‘ karg-kümmerlichen Kulturabteilung von Spiegel-Online offenbar nicht redigiert. Und was soll ein Redakteur schon machen, wenn ihn ein theurichtes Gefasel auf dem Monitor ereilt. Seufzen, freigeben, hoffen dass es kein Leser merkt, weil, es geht ja nur um Musik, klaschisse, um die sich kaum ein Mensch mehr kümmert.Theurich: Der Tor des Monats

Redaktion und Anzeigenabteilung strikt getrennt?

Einem Tubisten rühmt er “einfühlsame Technik” nach (?), beschuldigt ihn “luftiger Melodieführung”. Ralph Vaughan Williams muss sich das Attribut “klangselig” gefallen lassen. Einen kommoden Kitsch nennt er “ein wohliges musikalisches Wetterleuchten”, während ein immerhin diskutables Opus also kompositionskritisch traktiert wird: “mäandert schon etwas freier und franst mitunter aus.” Ob er sich was dabei denkt?

Außerdem: zeitgleich mit dem tollkühnen Text Theurichs hat Amazon eine Anzeige plazieren dürfen, die zum Kauf der gerade grässlich gelobten CD auffordert. Das wird ein unglücklicher Zufall sein, weil Redaktion und Anzeigenabteilung beim Spiegel natürlich strikt getrennt sind.