Spiegel-Online pleite?

Wiederum: Werner Theurich ist Tor des Monats, auch für Februar

An Mitbewerbern hat’s ja nicht gefehlt, aber wenn man den auf Spiegel-Online schwadronierenden Werbetexter Theurich, der sich als Musikkritiker aufspielt, einmal liebgewonnen hat, möcht’ man ihm doch den Triumph gönnen, wiederum zum Objekt der Betrachtung zu werden und den Titel “Tor des Monats” einzuheimsen.  Der flott-fesche Blödian Wahrscheinlich kifft er oder nimmt was ein, was die Fähigkeit zur Selbstkritik lahmlegt.

Er kann offenbar nicht nur nicht hören sondern auch nicht schreiben. Wie anders lässt sich ein Einstieg erklären, den er als erhellende Ankedote ankündigt, dann aber mit dürren Fakten fortfährt, die er mit biss’l Kindergartendeutsch aufzupeppen hofft:

“Die Anekdote erhellt einiges: Als Ludwig van Beethovens Musikverleger Anton Diabelli 1819 einen scheinbar harmlosen kleinen Walzer komponierte und ihn an bekannte Komponisten zwecks Verarbeitung in Variationen sandte.”

So, da hat er einen Punkt gemacht, statt des zu erwartenden Doppelpunkts. Er will eine Anekdote erzählen, die was erhellt:

“Diabelli erwartete von jedem Adressaten ein ähnliches Werk, das er zu einer Sammlung bündeln wollte. Nicht mit Beethoven! Der nahm sich Zeit (bis 1823) und lieferte nicht weniger als 33 Veränderungen, die es in sich hatten wie zuvor etwa die “Goldberg-Variationen” von Johann Sebastian Bach.”

Ja, bittschön, wo bleibt die Anekdote? Dass der Herr Beethoven 33 Stück geschrieben hat, hat sich doch inzwischen herumgesprochen, ist ja eine Weile her. Theurich, was Sie schreiben, erhellt nix. Im Gegenteil, trübselig funzelnd schummert Ihre einfältige Exklamation “nicht mit B!” Und was fällt einem Schmock zuerst ein, wenn er “Diabelli Variationen” hört – naturgemäß die “Goldberg Variationen”, die Johann Amadeus Bach für seinen Lieblingsjuwelier komponierte, und nicht die Zauberflöte Variationen, die der Beethoven zuvor schrieb.

Akkurat adäquat zum vermasselten Einstieg bafelt es weiter, von

Beethovens fast manischem Bestreben, dem Thema jedwede nur mögliche Wendung abzuluchsen“,

sind wir froh, dass der Genius B. nicht ganz manisch übergeschnappt ist, sondern nur fast,

“aber immer wieder präpariert er den individuellen Charakter der Variationen als solitäre Einzelstücke heraus”

lobt er den Pianisten, den wir hier nicht nennen, weil er nix für einen solch unqualifizierten Lobhudler kann.

Theurich simuliert einen originellen Gedanken, und das geht natürlich schief. Diabellis Walzerchen sei eine

“gar nicht banale Vorlage”

meint er. Theurich, könnt es nicht sein, dass akkurat die Banalität der Vorlage dazu einlud, 33 Metamorphosen zu komponieren?

Rhetorisch, klar, ist die Frage, die ein chronisch Bekiffter naturgemäß nicht beantworten kann. Schon transzendental irrwitzig wird er bei einem Vergleich Rachmaninows mit Beethoven. Da tadelt er sanft einen Pianisten, weil der was Unmögliches nicht vermocht hat:

“Dass es *** nicht so ganz gelingt, “seinen” Rachmaninow auf eine Stufe mit dem Beethoven der letzten Dinge zu stellen, ist nicht weiter schlimm.”

Werter Theurich, werte Spiegel-Online Kulturredaktion, so ein dahingeschmarrter Satz wäre einige Seiten Analyse und Kommentar wert, weil er so schön die grenzdebile Indolenz des Kulturgeschmarres bündelt. Die “letzten Dinge” sind offenbar eine blasse Erinnerung daran, dass der Beethoven was mit der Französischen Revolution und mit dem Schillergoethe zu tun hatte, und der Philosophie des deutschen Idealismus.

Der Rachmaninow soll anderen Einflüssen unterlegen gewesen sein, und Theurichs Feier des berüchtigten cis-moll Preludes in allen brunzbanalen Ehren: Aber einen Klavierspieler ,der versuchen sollte, das “auf eine Stufe zu stellen” auch nur mit der “Wut auf den verlorenen Groschen”, wäre vom Podium zu jagen. Insofern, Theurich, haben Sie recht; dass der *** das nicht geschafft hat, ist nicht weiter schlimm.

Tja, und während der Theurich nicht ganz bei Groschen scheint, scheint Spiegel-Online jeden Groschen zu brauchen. Wiederum Theurichtes Gefasel/ Trennung von Redaktion und Anzeigenabtelung ist zeitgleich mit den CD-Besprechungen des Tors eine Amazon-Anzeige erschienen. Die lassen also einen über Musik schreiben, der sonst die dankbare Aufgabe hat, das Spiegel-Forum von Kraftausdrücken freizuhalten, und sie heben die Trennung zwischen Anzeigenabteilung und Redaktion auf. Spendet für sie.

Sepp Zeitblom