Verdi Requiem in der Oper

Und munter schwatzt der Theurich fort

 

Von Kurt Axtmann

 

Als Typus, als Symptom fühle sich der Herr Werner Theurich behandelt; ein Werbetexter der bei Spiegel-Online über Musik schreiben darf und allermeist besinnungslose, Reflexion gelegentlich vortäuschende Lobhudeleien abliefert. Jemand Sachkundigen, der das los-laxe Gerede redigierte, haben die beim Spiegel offenbar nicht. Und wenn der Theurich eine CD bespricht, respektive, in seinem Textbausteinkasten herumkramt, plazieren sie gern simultan eine Anzeige zum gelobhudelten Produkt.

Anlass, sich wiederum mit ihm zu beschäftigen, (er war schon zweimal unser Tor des Monats) ist sein Weitertratschen des kurrenten Geschwätzes über Verdis Requiem, von dem es landauf landab in den Gazetten heißt, es sei „Verdis beste Oper“, so habe man im 19. Jahrhundert „ironisch“ gesagt. Einer schreibt‘s vom andern ab, die „Bäckerblume“ und der „Dithmarschener Generalanzeiger“, die „Brigitte“ und die „Morgenpost“. Da mag der Theurich nicht hintan stehen, wiewohl er in Verlegenheit geriete, fragte man ihn, wer denn sowas im 19. Jahrhundert gesagt habe. Alstern, zuhören Theurich!

Von Bülow: Verstand von Fanatismus verblendet

In den teils heftigen musikalischen Richtungskämpfen des 19. Jahrhunderts nahm der Dirigent und erste Ehemann der Cosima Hans von Bülow Partei für Richard Wagner und nannte Verdis Requiem 1874 in denunziatorischer Absicht eine „Oper im Kirchengewande“. Achtzehn Jahre später hat er sich dafür brieflich beim Komponisten entschuldigt: „Geruht die Beichte eines reumütigen Sünders anzuhören« (…)Mein Verstand war von Fanatismus verblendet, von ultrawagnerischer ›Seide‹. Ich habe mit dem Studium Eurer letzten Werke begonnen: mit der Aida und dem Otello und dem Requiem, das mich neulich selbst in einer ziemlich dürftigen Wiedergabe bis zu Tränen bewegt hat.“

Und Theurich, es gibt ja Indizien dafür, dass Verdi das Werk nicht als Oper traktiert haben wollte. Ist Ihnen, Theurich, aufgefallen, dass es im Requiem keine Bariton-Solo-Partie gibt? Können sie eine Oper Verdis nennen, die ohne solche auskommt?

Dass trotzdem das Requiem nun in der Hamburger Oper in der Inszenierung von Bieito aufgeführt wird, ist gewiss erfreulich. Welche innermusikalischen und gesellschaftlichen Veränderungen dies möglich machen – wie oft, Theurich, ist das Requiem wohl in Kirchen, getrennt bitte nach deutschen und italienischen, aufgeführt worden? – können Texter vom Theurischs Schlage freilich nicht diskutieren. Aber was es mit der Phrase von “Verdis bester Oper“ auf sich hat, dürfte ihm und seinesgleichen jetzt klar werden. Weiter erzählen, Theurich. Weil, wer‘s nochmal schreibt, wird verhauen.