Notorisch gutgelaunt: Cem Özdemir

Von Sepp Zeitblom

An ihren peri­phe­ren Verlautbarungen sollt ihr sie erken­nen, nicht an den offizö­sen, von PR-Profis aus­ge­ar­bei­te­ten. Was für eine infe­rio­re Figur der Herr Cem Özdemir ist, offen­bar­te er ges­tern im heu­te abge­druck­ten Gespräch mit dem Tübinger Tagblatt. Nicht nur, dass er dem Grünen Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer emp­fiehlt, die­ser möge doch sei­ne Texte zen­sie­ren las­sen, (wohl auf dass sie so von Phraseologismen wim­meln mögen wie Özdemirs). Palmer bekommt dank sei­ner dras­ti­schen Vernünftigkeit ähn­li­che Schwierigkeiten wie sei­ner­zeit der Sozialdemokrat Heinz Buschkowsky, gewe­se­ner Bezirksbürgermeister in Berlin. Özdemir lobt sei­nen Tübinger Parteifrend: „Ich traue ihm zu, das so zu machen, dass es uns hilft, und nicht, dass die Wortwahl wich­ti­ger ist als der Inhalt und damit den Inhalt auch ent­wer­tet“. ??? Wie, Vorsitzender Özdemir, ist das zu ver­ste­hen? Wie, wenn Inhalt und Wortwahl doch eine gewis­se Verbindung besä­ßen? Wie, wenn es Palmer pri­mär nicht dar­um gin­ge, „uns“, den Grünen also, zu hel­fen, son­dern der Sache zu dienen?

Wichtigtuerisch hat er eine Kladde zum Tagblatt-Gespräch mit­ge­bracht, angeb­lich Notizen zu den geplatz­ten Jamaika-Verhandlungen ent­hal­tend (sie­he hier: Warum Jamaika wirk­lich geplatzt ist). Und er ent­puppt sich als wah­rer Nachfahr des Diederich Heßling (Hauptfigur im Roman „Der Untertan“ von Heinrich Mann), indem er  den Willen sei­ner Partei zu „kon­struk­ti­ver Opposition“ ver­kün­det und hin­zu­fügt, die Rolle der „miss­ge­laun­ten Opposition“ der AfD, der FDP und der Linken zu überlassen.

Ahnt der ver­gnüg­te Özdemir, dass Misslaunigkeit eine gut begrün­de­te Folge der herr­schen­den Zustände im Lande ist und dass die­ser Gemütszustand Produktivkraft sein kann? Er ahnt es nicht. Er weiß auch nicht, wie nah er dem letz­ten deut­schen Kaiser ist, der Kritiker gern als Miesmacher und Nörgler, Missgelaunte eben, bezeich­ne­te. Kanzler Kohl, schlich­ter Geistesart, äußer­te Ähnliches. Gut geriet das Tagblatt-Foto: Özdemir hat die Brille abge­nom­men und guckt bedeu­tungs­ver­hei­ßend, lächelnd.