Gertrud Kolmar: Personenkonstellationen

Wir freu­en uns, Peter Sühring als Gastautor zu begrü­ßen. Eine Kurzfassung sei­nes Gedenkartikels für Gertrud Kolmar haben wir schon publi­ziert Zum 75. Todestag von Gertrud Kolmar Peter Sühring, gebo­ren 1946 in Berlin, arbei­te­te als Buchhändler und ist Musik-und Literatuwissenschaftler, wur­de 2006 über Mozarts Kindheitsopern pro­mo­viert. Er erschloss und bear­bei­te­te den Nachlass und das Lebenswerk des Musikforschers Gustav Jacobsthal. Er ver­tritt eine ein­heit­li­che, in sich mehr­di­men­sio­na­le Musikwissenschaft und eine Auffassung von Musikgeschichte jen­seits von Epocheneinteilungen und nor­ma­ti­ven Ästhetiken. Stattdessen strebt er eine musi­ka­li­sche Poetik des ein­zel­nen musi­ka­li­schen Künstlers und eine Hermeneutik des ein­zel­nen musi­ka­li­schen Kunstwerks an, des­sen Sinn meist unter kul­tu­rel­len Diskursen ver­schüt­tet liegt.

 

Robespierre, Chodziesner, Benjamin, Wenzel:

Personenkonstellationen um Gertrud Kolmar

Engführungen des Familiären, Poetischen, Politischen und Religiösen

Von Peter Sühring

 

 

Im Familienroman der Gertrud Kolmar (bür­ger­lich Chodziesner) spielt die auch ihr Leben stark prä­gen­de Figur des Vaters eine beson­de­re Rolle. Das Haus Hohenzollern, das die bei­den deut­schen Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. stell­te, sei­ne Hofkamarilla und die von ihm bestell­ten lei­ten­den Regierungsbeamten, die stets gegen eine libe­ra­le Mehrheit in den kon­sti­tu­ier­ten Parlamenten (den Preußischen Landtag und Deutschen Reichstag) regier­ten, brauch­ten, um ihre Politik durch­set­zen und auf­recht erhal­ten zu kön­nen, auch juris­ti­schen Beistand. Dieser wur­de ihnen aus der Reihe der bes­ten Anwälte Deutschlands, die oft jüdi­scher Herkunft waren, auch gewährt. Einer der erfolg­reichs­ten, ange­se­hens­ten und spek­ta­ku­lärs­ten war der Rechtsanwalt Ludwig Chodziesner. Er konn­te nach 1933 gar nicht fas­sen, dass die Nationalsozialisten, in denen er eine Clique sah, die die Humanitätsideale des alt­preu­ßi­schen Staates mit Füßen trat, sei­ne Verdienste nicht berück­sich­ti­gen wür­den, um ihm einen unbe­hel­lig­ten Lebensabend und sei­ner Familie eine gewis­se Schonung zuteil­wer­den zu las­sen. Er wehr­te sich des­we­gen gegen die „Emigrationshysterie“ sei­ner Kinder. Diese waren alle, außer sei­ner Gedichte schrei­ben­den Tochter Gertrud Kolmar, bemüht, außer Landes zu kom­men und konn­ten wie­der­um sei­ne gefähr­li­che Naivität und Passivität gar nicht fas­sen, konn­ten ihn und die Schwester Gertrud aber nicht dar­an hin­dern bis zur Deportation, die in den frü­hen vier­zi­ger Jahren nach dem Emigrationsverbot für Juden immer unaus­weich­li­cher wur­de, im Lande zu bleiben.

Ludwig Chodziesner wur­de 1861 in Obersitzko, nörd­lich von Posen gebo­ren. Seine Vorfahren väter­li­cher­seits stamm­ten aus dem Ort Chodziesen. Nach dem Abitur im Jahre 1879 in Wongrowitz nahm er das Studium der Jurisprudenz in Berlin auf. Nach dem Assessor-Examen wur­de er ein bekann­ter Strafverteidiger und spä­ter zum preu­ßi­schen Justizrat ernannt. Seiner Ehe mit Elise Schönfließ (deren Mutter Hedwig Schönfließ die gemein­sa­me Großmutter jeweils müt­ter­li­cher­seits von Walter Benjamin[1] und Gertrud Kolmar war) ent­stamm­ten vier Kinder; Gertrud leg­te sich als Dichterin das Pseudonym Kolmar (die Eindeutschung des Städtenamens Chodziesen) zu. Nach Lebensperioden in Berlins bes­ten bür­ger­li­chen Wohngegenden (Schlossviertel, Kurfürstendamm-Viertel und Charlottenburg-Westend) zog die Familie 1923 in eine Villa nach Finkenkrug bei Berlin, an der Bahnlinie Spandau–Nauen, wo die Mutter Elise bereits 1930 starb. Im Jahre 1938 muss­te das Haus in Finkenkrug ver­kauft und eine so genann­te „Judenwohnung“ in Berlin-Schöneberg bezo­gen wer­den, in der zuneh­mend beeng­te Verhältnisse herrsch­ten. Gertrud Kolmar leb­te bei ihrem Vater bis zu des­sen Deportation im September 1942. Am 13. Februar 1943 ver­starb Ludwig Chodziesner in Theresienstadt, die Todesursache ist nicht fest­ge­hal­ten worden.

Sein Bruder Siegfried, auch Rechtsanwalt, war ab 1904 als Rechtsvertreter von Magnus Hirschfeld und sei­nes Instituts für Sexualwissenschaft (1919–1933) tätig. Er ver­tei­dig­te Hirschfeld nach des­sen Umfrage zur sexu­el­len Orientierung von Studenten, die ihm den Vorwurf ein­brach­te, die Befragten damit belei­digt zu haben. Er gehör­te zu den drei Gründern der Hirschfeld-Stiftung, für die sie bereits im Februar 1918 den Status einer gemein­nüt­zig recht­lich aner­kann­ten Einrichtung bean­trag­ten. Er war Mitglied des „Wissenschaftlich-humanitären Komitees“, blieb bis Ende 1923 im Stiftungsvorstand des Instituts und führ­te gleich­zei­tig eine Anwaltspraxis in Berlin. Er half in den Jahren 1906-09 sei­nem Bruder Ludwig bei der Verteidigung des Grafen Philipp zu Eulenburg, der unter den Verdacht gestellt wur­de, die damals noch (und bis 1994!) nach § 175 StGB als unzüchtig-strafwürdig ange­se­he­ne männ­li­che Homosexualität aus­ge­lebt zu haben; und zwar wäh­rend Ausflügen mit der kai­ser­li­chen Yacht in nor­we­gi­schen Fjorden und im Mittelmeer, sowie wäh­rend gemein­sa­mer Jagdveranstaltungen in der Mark. Die geschie­de­ne Frau des Grafen brach­te den Zweck der Anklage auf den Punkt: „Sie zie­len auf mei­nen Mann, aber sie ver­su­chen den Kaiser zu tref­fen“. Die durch Enthüllungen Maximilian Hardens, die von der sozi­al­de­mo­kra­ti­schen Presse begie­rig auf­ge­grif­fen wur­den, aus­ge­lös­te Anklage wur­de von Ludwig Chodziesner im Interesse des Kaiserhofes ein­zig und allein dadurch nie­der­ge­schla­gen, dass er es ablehn­te, über die evtl. Geschehnisse über­haupt ver­han­deln zu las­sen, son­dern aus­schließ­lich und mit Erfolg auf Verjährung plädierte.

Der ande­re berühm­te Prozess im Oktober/November 1903 ging um eine Anklage auf „gewinn­süch­ti­ge Kindesunterschiebung“, die sich gegen das pol­ni­sche gräf­li­che Adelspaar Zbigniew und Isabella Kwilecki rich­te­te. Sie hät­ten ihr Majorat in Wroblewo von 18000 Morgen in Ermangelung eines männ­li­chen Erbfolgers kom­plett an eine Seitenlinie der Familie ver­er­ben müs­sen. Der Graf war schon 80 Jahre und sei­ne Frau 50 Jahre alt. Sie hat­ten bis­her nur einen früh ver­stor­be­nen Sohn und meh­re­re Töchter in die Welt gesetzt. Plötzlich (nach einem spät­lie­bes­früh­lings­haf­ten Sommerurlaub des Paares) geschah das „Wunder“ einer erneu­ten Schwangerschaft und eines neu gebo­re­nen Sohnes, von dem die Gräfin in Berlin ent­bun­den wur­de. Nachdem von einem Posener Gericht die Legitimität die­ses Sohnes beschie­den wor­den war, stell­te der (sich um sei­ne Erbschaft geprellt sehen­de) Vetter des Grafen Strafanzeige wegen Verbrechens gegen § 169 StGB. Gegen die Mutter wegen Kindesunterschiebung, gegen den Grafen wegen Mittäterschaft und gegen das Hausgesinde wegen Meineids. Das am 19. Verhandlungstag im November 1903 gehal­te­ne Schlussplädoyer Ludwig Chodziesners, nach wel­chem die Geschworenen auf Freispruch ent­schie­den, ist über­lie­fert. Hier sei­en nur die mar­kan­ten Passagen zu den Fragen der Wahrheitsfindung und des Meineids zitiert:

Und damit kom­me ich zu der Frage: Was ist Wahrheit? Über die­se Frage hat man sich seit Jahrtausenden den Kopf zer­grü­belt. Die Wahrheit ist eine sprö­de Schöne, die sich nicht dem­je­ni­gen ent­schlei­ert, der da meint, sie auf Grund einer aus den Akten gewon­ne­nen Voreingenommenheit gewin­nen zu kön­nen. Einst hielt man für Wahrheit, daß die Erde stil­le ste­he – und sie bewegt sich doch! Im Interesse der angeb­li­chen Wahrheit hat man Luther ver­folgt und Huß ver­brannt, und der Molochdienst der Wahrheit for­dert auch in unse­ren Tagen noch immer Opfer. […]“[2]  

Seine Tochter Hilde, ver­hei­ra­te­te Wenzel, die 1938 in die Schweiz flüch­ten konn­te, hat in ihren mit „Gertruds Ahnen“ (der ihrer Schwester Gertrud Kolmar) beti­tel­ten Aufzeichnungen aus dem Jahre 1962, in dem Heft „Vaters Familie“ fol­gen­des über die Stellung und die Ansichten ihres Vaters Ludwig Chodziesner hinterlassen:

Vaters bedeu­tends­te Prozesse, der Kwilecki-Prozeß 1903 und der Eulenburgprozeß, brach­ten ihn in Kreise, die zu sei­nem Judentum in kei­ner Beziehung stan­den, eben­so auch spä­ter der Adlon-Prozeß. Man mag dies in der Rückschau natür­lich bedau­er­lich fin­den, aber der Umgang ergab sich aus sei­nem Beruf und war kein bewuss­tes Abtrünnigwerden von der Religion sei­ner Väter. Niemals hät­ten die Eltern sich tau­fen las­sen oder gar ihre Namen geän­dert, wie es in jener Zeit vie­le taten. […]

Zu die­ser Einstellung kam noch der merk­wür­di­ge Umstand, der allen Rassetheorien Hohn spricht, daß der Vater in der auf­fal­lends­ten Weise dem deut­schen Kaiser ähn­lich sah. Ein Spiel des Zufalls, der Hohenzollern-Abkömmling und der jüdi­sche Rechtsanwalt aus der Ostmark. Die Ähnlichkeit war so frap­pant, und zwar nicht nur wegen des Schnurrbarts und der Haartracht, daß die Kinder, wenn der Vater mit dem Velo durch den Grunewald fuhr, ihm nach­rie­fen: „Der Kaiser, der Kaiser!“ Wir bewahr­ten eine illus­trier­te Zeitung auf, in der es eine Seite ’berühm­te Doppelgänger’ gab und eine davon war: Der deut­sche Kaiser und der bekann­te Strafverteidiger Ludwig Chodziesner.

Man sieht dar­an aber auch, wie libe­ral [in Sachen des Judentums] das Kaiserhaus war. Der Vater äußer­te, er wis­se über­haupt nicht, wie die zu sei­ner Fotografie gekom­men sei­en. Wir aber waren begreif­li­cher­wei­se sehr stolz dar­auf.“[3]

In sei­ner aus Wahrheit und Dichtung, Recherche und Imagination gemisch­ten Biografie Gertrud Kolmars gibt Dieter Kühn zwar eini­ge nütz­li­che und neue Hinweise und eine atmo­sphä­risch dich­te Beschreibung der all­mäh­li­chen äuße­ren und inne­ren Verfinsterung der Lebensverhältnisse von Vater und Tochter Chodziesner, ver­sagt aber selt­sam ver­ständ­nis­los vor ihrer Dichtung. In einem fin­gier­ten, dem Vater Gertrud Kolmars in die Feder geleg­ten brief­li­chen Bericht, der als Werkstoff die­nen soll für eine von der Tochter Hilde zu schrei­ben­de Familienchronik, ima­gi­niert Kühn in die­ser lite­ra­risch aus­ge­schmück­ten Biografie eine (gut?) erfun­de­ne Szene. Kühn lässt dort Ludwig Chodziesner über sei­nen Vater Julius, Kurzwarenhändler, und sei­ne Mutter Johanna, geb. Aschheim, schreiben:

Der Höhepunkt sei­nes Lebens, der ein­zi­ge Rausch, den er je gehabt hat­te, waren jene Novemberwochen des Jahres 1903, wo der Name sei­nes ältes­ten Sohnes, sein und Euer Name, in aller Munde, in allen Zeitungen als der erfolg­rei­che Verteidiger der Gräfin Kwilecki, Isabella geb. Bininska, genannt und gefei­ert wur­de. Als die Leute in der klei­nen Synagoge in der Schulstraße zu Charlottenburg sich um ihn dräng­ten, als jeder ihm gra­tu­lie­ren woll­te und die Hand schüt­teln woll­te, da fühl­te er: ’Ich habe nicht umsonst vie­le, vie­le Jahre ein­sam gelebt, gear­bei­tet und gedarbt, ich habe nicht umsonst gelebt’. Und erho­be­nen Hauptes, fro­hen Herzens kam er aus der Synagoge nach Haus, in sei­nen Augen stan­den Freudentränen, und er erzähl­te mei­nem stil­len Mütterchen, wel­ches Heil ihm wider­fah­ren. Sie nick­te, sie strahl­te, aber sie sprach kein Wort. Sie fal­te­te nur ihre aus­ge­ar­bei­te­ten, mit dicken Gichtknoten ver­se­he­nen Hände und bete­te zu Gott. ’Gelobt sei Schem-boruch-hu!’“[4]

Tatsächlich exis­tiert ein Foto von Julius und Johanna Chodziesner, wie sie wäh­rend eines Besuches in der Westendvilla, Ahornallee 37, am 28. August 1906 (an Ludwig Chodziesners Geburtstag, der auch zufäl­lig jener Goethes ist) bei der Familie ihres so glän­zen­den Sohnes auf der Veranda sit­zen.[5] Hilde Wenzel wuss­te nur so viel: „Auf jeden Fall besteht kei­ner­lei Zweifel dar­über, daß die Großeltern [väter­li­cher­seits] wah­re und sehr from­me Juden waren und viel weni­ger libe­ral und auf­ge­klärt als die Vorfahren [müt­ter­li­cher­seits] Hirschfeld und Schönflies.“[6]

Im Hause der Familie Ludwig Chodziesner wur­de aber wohl über die Jüdischkeit der Familien vater- und müt­ter­li­cher­seits und über eine Zugehörigkeit zum Judentum, obwohl die Eltern sich nicht christ­lich hat­ten tau­fen las­sen, kaum gespro­chen. Die 1894 gebo­re­ne Tochter Gertrud (Kolmar) the­ma­ti­siert die­se Entfremdung von der Synagoge und von einem Leben nach den Ritualgesetzen bereits in ihrem Roman Eine jüdi­sche Mutter aus dem Jahr 1931. Als die Hauptfigur Martha Wolg nach dem Verlust ihrer Tochter Ursa trost­su­chend eine Synagoge auf­sucht, endet das enttäuschend:

Es war auch im Tempel kühl gewe­sen, kühl und recht leer. Die weni­gen Weiblein auf kah­len Bänken ver­einsamt im Halbkreis dro­ben, ein paar alte Männer drun­ten. Und der Prediger sprach nicht deutsch; war es des­halb, daß sie ihn schlecht ver­stand und kaum fol­gen moch­te? Ihr biss­chen Hebräisch war längst doch ver­schüt­tet. Glasperlen in einem löch­ri­gen Säckchen, das sie als Kind besaß. Aber dies Reden auch floß ihr fort, unauf­halt­sam, schlä­fernd wie Körnergerinnsel, ent­schlüpf­te zwi­schen den Fingern. Sie ertapp­te beschämt sich selbst dabei, wie sie im wenig geschmück­ten Raume ein Schnörkelstück, einen Zierrat such­te, ihren Blick dar­auf hin­zu­hän­gen. Sie ver­ließ das Gotteshaus mit dem Empfinden: Unschwer erfüll­te Pflicht. Hatte sie, da sie ein­trat, dies Ziel nur, die Absicht gehabt? Seit Ursas Tode war sie nun schon mehr­mals im Tempel gewe­sen, stets unklar hof­fend, der Klage Trost, ihren Fragen Antwort zu fin­den, und schied doch immer etwas ent­täuscht, nüch­tern, mit lee­ren Händen. Sie schwor sich: ’Es ist nichts. Es gibt mir nichts. Ich geh nicht mehr hin.’, und kam dann wie­der, unwil­lig fast, wie unter gewis­sem Zwange, wie einer den Freund sei­ner Jugend besucht, den ihm Jahre zuin­nerst ent­frem­det. Er müht sich ver­ge­bens, die Züge zu schaun, die er einst an ihm lieb­te, das Band zu erken­nen, das sie geeint; er fin­det nichts, es ist alles fort, und den­noch, in alter Anhänglichkeit und gehemmt von Erinnerungen, gewinnt er den Mut, die Härte nicht, des andern Tür hin­ter sich zuzu­tun und nie­mals wie­der­zu­keh­ren. So war das.“[7]

 

Erst die Nationalsozialisten erzwan­gen eine Auseinandersetzung mit dem eige­nen Judentum. Und sie nahm bei Gertrud Kolmar empa­thi­sche, aber destruk­ti­ve, selbst­zer­stö­re­ri­sche Züge an. Mit dem Jahr 1933 begann bei ihr eine erneu­te Hinwendung zur Französischen Revolution, spe­zi­ell zur Figur des fana­ti­schen Jakobiners Robespierre[8]; dann schrieb sie Klagegedichte über die Verfolgung der ver­stumm­ten roten Kämpfer in den NS-Gefängnissen, denen sie mit ihren Gedichten eine (inne­re) Stimme ver­lei­hen woll­te.[9] Und sie flüch­te­te sich in ande­re, nicht nur mythisch, son­dern ori­en­ta­lisch, asia­tisch anmu­ten­de, an den Hölderlin’schen Kaukasus gemah­nen­de, ima­gi­nier­te „Welten“, in denen sie eine ande­re Heimat und viel­leicht auch eine ande­re Mutter und einen ande­ren Vater fand.[10] Wolfdietrich Schnurre beschrieb 1960 zum Gedächtnis an Gertrud Kolmar in einem Rundfunkvortrag sei­ne schock­ar­ti­ge Lektüre die­ses Bandes: „Es war 1947. Ich hat­te mir von der Deutschen Rundschau, für die ich arbei­te­te, den monat­li­chen Stoß zu bespre­chen­der Gedichtbändchen und Lyrikhefte abge­holt. […] Plötzlich freie Rhythmen; ich las mich fest, bekam Herzklopfen: Hinter der unheil­bar ver­sehr­ten Menschenwelt drau­ßen wuchs eine ande­re Welt auf, ohne Menschen, den Fingerabdruck Gottes noch auf den Gebirgskämmen, meer­um­spült“.[11]

Die Verherrlichung Robespierres, der wie ihr Vater (mit dem sie in einer frei­wil­lig über sich ver­häng­ten Zwangssymbiose leb­te) Anwalt war, gewann bei ihr ver­klär­te Züge. Er soll so edel­mü­tig und unbe­stech­lich und rein gewe­sen sein, dass er sogar einer (jeder poli­ti­schen Macht in einer ordent­li­chen Republik zur Korrektur bei­gege­be­nen) insti­tu­tio­nel­len Opposition nicht mehr bedurft habe, denn die­se Korrektur soll bei ihm, so Kolmars „Bildnis“, schon in sei­ner ein­ge­bo­re­nen Fähigkeit zu skru­pu­lö­ser Selbstkritik, in sei­nem ein­wand­frei funk­tio­nie­ren­den Gewissen instal­liert gewe­sen sein[12]. Man ver­glei­che die­se über­mensch­li­chen Zuschreibungen mit der klar­sich­ti­ger schei­nen­den Kritik, die Friedrich Sieburg nur zwei Jahre spä­ter, 1935, zum Teil auf­grund der glei­chen Quellenbasis[13], for­mu­lier­te: „Robespierre hat nur eine ein­zi­ge Idee. Die Einfachheit sei­nes Weltbildes, die Ausschließlichkeit sei­nes Wollens und die Abwesenheit stö­ren­der Leidenschaften geben ihm die unwi­der­steh­li­che Stoßkraft, die ihn zum ers­ten Manne der Französischen Revolution macht. Er tötet sei­ne Mitmenschen um die­ser Lehre wil­len, aber er stirbt auch selbst für sie. […] Seine Erfindung ist die Überführung der reli­giö­sen Intoleranz auf das poli­ti­sche Leben, ist die Gesinnungspolitik, die nicht mehr den Bruch der Gesetze, son­dern die abwei­chen­de Gesinnung bestraft.“[14] Wollte man die­se Formulierung Sieburgs als eine ver­steck­te Kritik an Hitler inter­pre­tie­ren, wür­de man des­sen Absichten schon zu die­sem Zeitpunkt wahr­schein­lich wohl­wol­lend miss­ver­ste­hen[15]. Es ist nicht bekannt, ob Kolmar auf Sieburgs Robespierre-Buch reagiert hat. Auch dürf­te Kolmar schwer­lich bekannt gewe­sen sein, dass sich Walter Benjamin eben­falls spä­tes­tens in den 1930er Jahren mit dem 1836 zum ers­ten Mal publi­zier­ten apo­lo­ge­ti­schen Robespierre-Aufsatz des zusam­men mit Georg Forster fast ein­zi­gen deut­schen Jakobiners Carl Gustav Jochmann[16] beschäf­tigt hat­te, auf den er in sei­ner 1939 in der Zeitschrift für Sozialforschung ver­öf­fent­lich­ten Einleitung zum Abdruck von Jochmanns Schrift Die Rückschritte der Poesie zu spre­chen kam[17].

Gertrud Kolmars Schwester Hilde Wenzel und ihre Freundin Hilde Benjamin haben bei­de getrennt von­ein­an­der unter­schied­li­che Gedichte und Prosa der Kolmar gesam­melt, ver­steckt, geret­tet und über­lie­fert. Viele Manuskripte und Abschriften, die ihre Schwester sam­mel­te, erreich­ten die­se über den Umweg ihres in Berlin ver­blie­be­nen Mannes, des Buchhändlers Peter Wenzel. Alle drei waren mit einer poe­ti­schen Hellsicht von der Qualität die­ser Gedichte, für deren Überlieferung sie eini­ges aufs Spiel setz­ten, überzeugt.

Hilde Benjamin ist spä­ter als beson­ders uner­bitt­li­che Justizministerin der DDR bekannt und berüch­tigt gewor­den. Das Schicksal ihres Mannes Georg (Bruder von Walter Benjamin), eines kom­mu­nis­ti­schen Arztes im Berliner Norden, sei­ne Verhaftung im Jahre 1933, sei­ne ille­ga­le Arbeit nach sei­ner Freilassung und sei­ne erneu­te mehr­ma­li­ge Inhaftierung in Zuchthäusern und KZs und sei­ne schließ­li­che Ermordung im KZ Mauthausen im Jahre 1942[18], dürf­te nicht nur Anregung zu Kolmars Gedichtzyklus gege­ben haben, son­dern einer der pri­vat­ge­schicht­li­chen Antriebe für Hilde Benjamins rach­süch­ti­gen Rigorismus in der Verfolgung von Regimegegnern in der spä­te­ren DDR gewe­sen sein; ihr sozia­lis­ti­scher Tugendterrorismus war von Robespierreschem Format, ver­brämt mit sta­li­nis­ti­scher Ideologie. Ihr Schwager hat­te, indem er die Rache zum his­to­ri­schen Movens der Befreiung erklär­te, in der zwölf­ten sei­ner Thesen Über Begriff der Geschichte erklärt: “Die (kämp­fen­de, unter­drück­te) Klasse ver­lern­te in die­ser Schule [jener der Sozialdemokratie, die sich dar­in gefal­len habe, der Arbeiterklasse die Rolle einer Erlöserin künf­ti­ger Generationen zuzu­spie­len] gleich sehr den Haß wie den Opferwillen. Denn bei­de näh­ren sich an dem Bild der geknech­te­ten Vorfahren, nicht am Ideal der befrei­ten Enkel.“[19] Was Georg Benjamin der Opferwille war, das war sei­ner Frau Hilde der Hass – Walter Benjamin zähl­te bei­des zur „bes­ten Kraft“ der Arbeiterklasse. Ob sich auf die­ser Basis eine demo­kra­ti­sche Gesellschaft grün­den lie­ße, in der die Freiheit des­je­ni­gen, der anders denkt als die nun herr­schen­de Arbeiterklasse resp. als die nun herr­schen­de Partei, die sich zur allei­ni­gen Repräsentantin die­ser ehe­mals geknech­te­ten Klasse auf­wirft, darf bezwei­felt wer­den. Legitimationen zur Rache an den ehe­mals herr­schen­den Gesellschaftsklassen und damit auch zu einer pro­le­ta­ri­schen Klassenjustiz gegen­über reni­ten­ten Vertretern von deren Ideologie inmit­ten einer staats­so­zia­lis­ti­schen Ordnung ohne Meinungsfreiheit hät­te sich Hilde Benjamin alle­mal aus sol­chen Überlegungen holen kön­nen. Der Literaturhistoriker Hans Mayer, der bei­de, Walter und Hilde Benjamin gekannt hat­te, schrieb über letz­te­re: „Sie wuß­te, daß ich Benjamin in der Pariser Emigration gekannt hat­te, sprach mit Anteilnahme von dem gro­ßen Denker, der gleich sei­nem Bruder am Dritten Reich zugrun­de ging. Dies alles gehört zu ihrem Bild. So viel Leid, das man erlebt und erlit­ten hat­te wegen der Abstammung und der eige­nen Meinung. Der Antifaschismus der DDR als einer ‘antifaschistisch-demokratischen Ordnung‘ war für Hilde Benjamin ein see­li­sches Postulat. Man muß­te fer­tig wer­den mit dem, was man damals unter dem Signum Faschismus erlebt hat­te. Härte gegen Härte. Auch so kann man see­lisch zugrun­de gehen; auch so ver­wan­delt man Recht in Unrecht.“[20]

Gertrud Kolmars empa­thi­sche Neigung, sich mit den Opfern zu iden­ti­fi­zie­ren, die sich auch schon in dem Gedichtzyklus Das Wort der Stummen nie­der­ge­schla­gen hat­te, wur­de nun gegen­über den ver­folg­ten Juden, aus einem schwer erfind­li­chen Schuldbewusstsein her­aus, immer mehr zur trei­ben­den Kraft nicht nur für ihre Dichtung, son­dern auch für ihre rea­le Lebenseinstellung und ‑füh­rung. Die Juden – sie wur­den immer mehr zu „ihrem Volk“, des­sen Schicksal sie sich in sei­nen tiefs­ten Erniedrigungen bis hin zur Vernichtung erge­ben woll­te; sogar aus einem schwer ver­ständ­li­chen inne­ren Zwang her­aus erge­ben muss­te, als hät­te sie damit einen frü­he­ren Verrat zu süh­nen. Hier ver­sa­gen alle ratio­na­len Erklärungsversuche. Sie wur­de zur Zwangsarbeit in einer Kartonagefabrik ein­ge­zo­gen; sie bejah­te die­se har­te Arbeit als eine Art kathar­ti­sche Selbstkasteiung und war stolz dar­auf, sie bes­ser als man­che Männer zu ertra­gen, schlug alle Warnungen und ret­ten­den Angebote in den Wind und ließ sich am 27. Februar 1943 bei der so genann­ten Fabrik-Aktion, bei der die letz­ten jüdi­schen Zwangsarbeiterinnen und ‑arbei­ter im Innern des Reiches ver­haf­tet und direkt in die Vernichtungslager depor­tiert wur­den, abfüh­ren. Sie ging letzt­lich, so könn­te man ihr Verhalten deu­ten, wil­lent­lich und sehen­den Auges in den Tod, als fühl­te sie sich dazu vor­her­be­stimmt. Im „32. Osttransport“, drit­ter Großtransport direkt von Berlin nach Auschwitz, zusam­men mit etwa 1500 Frauen, Männern und Kindern wur­de sie in einem gedeck­ten Güterwagen am 2. März vom Güterbahnhof Moabit abtrans­por­tiert. Der 3. März gilt als ihr Todesdatum.

[1] Walter Benjamin wird nicht nur Gedichte sei­ner Cousine in der Zeitschrift Literarische Welt (1928, mit einer von ihm for­mu­lier­ten Vorbemerkung) und in der Schweizer Rundschau (1929) ver­öf­fent­li­chen las­sen, son­dern auch noch 1934 vom Ausland aus mit ihr brief­lich kor­re­spon­die­ren und sie bei die­ser Gelegenheit zu eini­gen auto­bio­gra­fi­schen und poe­to­lo­gi­schen Bekenntnissen ani­mie­ren, die heu­te fast das ein­zi­ge Selbstzeugnis Kolmars über ihre Art zu dich­ten dar­stel­len. Siehe G. Kolmar, Briefe, hg. Von Johanna Wortmann, Göttingen 1997.

[2] Siehe Hugo Friedländer, Interessante Kriminalprozesse von kul­tur­his­to­ri­scher Bedeutung. Darstellung merk­wür­di­ger Strafrechtsfälle aus Gegenwart und Jüngstvergangenheit, Prozess wider das Grafen-Ehepaar Kwilecki wegen Kindesunterschiebung, Berlin 1911, publi­ziert auch im Internet unter www.zeno.org/Kulturgeschichte/M/Friedländer,+Hugo/Interessante+Kriminalprozesse.

[3] Hilde Wenzel, Gertruds Ahnen, Vaters Familie, erst­mals abge­druckt in und hier zitiert nach: Johanna Wortmann, Gertrud Kolmar. Leben und Werk, Göttingen 1995, Dokumentenanhang, S. 303. Nach Auskunft von Wortmann sind Hilde Wenzels Aufzeichnungen „Vaters Familie“ zusam­men mit „Mutters Familie“ (Schönfließ) und einem frag­men­ta­ri­schen Bericht über Gertruds Leben bis 1918 unter dem Titel „Meine Schwester Gertrud“ die Bruchstücke einer geplan­ten und nur frag­men­ta­risch über­lie­fer­ten „Chronik einer jüdi­schen Familie“.

[4] Dieter Kühn, Gertrud Kolmar. Leben und Werk, Zeit und Tod, Frankfurt/Main 2008, S. 15.

[5] Beatrice Eichmann-Leutenegger, Gertrud Kolmar. Leben und Werk in Texten und Bildern, Frankfurt/Main 1993, S. 35. In die­ser Chronik befin­den sich auch die meis­ten der bis­her ver­öf­fent­lich­ten erhal­ten geblie­ben Fotos von Ludwig (die frap­pan­te Ähnlichkeit mit Wilhelm II. ist sicht­bar auf S. 80 und: zu Pferde auf S. 49) und Gertrud Chodziesner.

[6] Ebd., S. 301.

[7] Gertrud Kolmar, Eine jüdi­sche Mutter, Frankfurt/Main Berlin 1981, S. 91.

[8] Sie schreibt in den Jahren 1933–35 einen zusam­men­ge­hö­ri­gen Komplex: zunächst den apo­lo­ge­ti­schen Essay Das Bildnis Robespierres (in: G. Kolmar, Das lyri­sche Werk, hg. von Regina Nörtemann, Bd. 3: Anhang und Kommentar, Göttingen 2003, S. 19–52), dann den Gedichtzyklus Robespierre (in: G. Kolmar, Das lyri­sche Werk, Bd. 2, S. 391–475) und schließ­lich das Schauspiel Cécile Renault (in: G. Kolmar, Die Dramen, hg. von Regina Nörtemann, Göttingen 2005, S. 5–95), in denen sie in eine Art von revo­lu­tio­nä­rem Mystizismus verfällt.

[9] Siehe Das Wort der Stummen, das ist ein von Hilde Benjamin (der Frau von Kolmars gefan­gen gehal­te­nem Vetter Georg Benjamin, zu der Gertrud Kolmar bis kurz vor ihrer Deportation inten­si­ven Kontakt hat­te) geret­te­ter und von ihr 1978 in der DDR ver­öf­fent­lich­ter Gedichtzyklus aus dem Jahre 1933, auch ent­hal­ten in: G. Kolmar, Frühe Gedichte/Wort der Stummen, München 1980 und: G. Kolmar, Weibliches Bildnis. Sämtliche Gedichte, München 1987 und: G. Kolmar, Das lyri­sche Werk, Göttingen 2003. Das Manuskript die­ses Zyklus liegt im Archiv der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum (ACJ).

[10] Gertrud Kolmar, Welten, geschrie­ben in der zwei­ten Hälfte des Jahres 1937, post­hum ver­öf­fent­licht in Berlin 1947, hg. von Hermann Kasack (auch ent­hal­ten in: G. Kolmar, Das lyri­sche Werk, München 1960 und: G. Kolmar, Weibliches Bildnis. Sämtliche Gedichte, München 1987 und: G. Kolmar, Das lyri­sche Werk, Göttingen 2003).

[11] Wolfdietrich Schnurre, Zweifel und Hinnahme. Gertrud Kolmar zum Gedächtnis, in: Gelernt ist gelernt. Gesellenstücke, Berlin 1984, S. 52.

[12] Siehe hier­zu auch Abraham Huss, Zum Bildnis Robespierres bei Gertrud Kolmar, in: Widerstehen im Wort. Studien zu den Dichtungen Gertrud Kolmars, hg. Von Karin Lorenz-Lindemann, Göttingen1996, S. 88‑104.

[13] Zu der gehör­ten beson­ders die damals neue­ren Forschungen der lin­ken Historiker Albert Mathiez und George Lefebvre, fran­zö­sisch 1922‑27, die Kolmar nach­weis­lich gele­sen hatte.

[14] Friedrich Sieburg, Robespierre, Frankfurt/Main 1935, S. 107, Stuttgart 21958 und München 31963, S. 88, dort mit den ver­schär­fen­den Eingangssätzen: „Der gefähr­lichs­te Mensch ist der­je­ni­ge, der nur eine ein­zi­ge Idee hat. Robespierre ist ein sol­cher Mensch.“ Vgl. auch die Einleitung von Carlo Schmid zu Maximilian Robespierre, Ausgewählte Texte, Hamburg 1971, 21989.

[15] Ganz im Gegenteil nahm Sieburgs Entwicklung einen fast schon vor­her­seh­ba­ren Gang, ables­bar an sei­ner Rede 1942 vor der grou­pe col­la­bo­ra­ti­on in Paris. Sie hat­te den Titel France, d’hier et demain, und in ihr bekann­te er sich als Nationalsozialist und ver­such­te die Franzosen für die neue Ordnung “kos­mi­schen“ Ausmaßes ‑ reprä­sen­tiert durch das krieg­füh­ren­de Deutschland ‑ zu gewin­nen. Es han­de­le sich um die Wahl zwi­schen der vom Völkerbund, den „Juden, Marxisten und Freimaurern“ ver­tre­te­nen Idee der Menschheit und den natio­na­len, sprich völ­ki­schen Interessen. Es ist Sieburgs Variante des Kampfes zwi­schen den „Ideen von 1789“ und einer auf dem Rassegedanken gegrün­de­ten Ordnung. (Mit Dank an Lutz Winckler für die­sen hier in sei­nen Worten wie­der­ge­ge­be­nen Hinweis.) Kolmars Hinwendung zu den Ideen der Französischen Revolution in den 1930er Jahren wür­de man wohl nicht miss­ver­ste­hen, betrach­te­te man sie als einen Widerstand gegen die natio­nal­so­zia­lis­ti­sche Ideologie.

[16] Siehe C. G. Jochmann, Die Rückschritte der Poesie und ande­re Schriften, hg. Von Werner Kraft, Frankfurt/Main 1967, S. 83‑121.

[17] Siehe Walter Benjamin, Einleitung zu C. G. Jochmann, Die Rückschritte der Poesie in: Zeitschrift für Sozialforschung 8 (1939), S. 92‑103, wie­der­ab­ge­druckt in: W. B., Angelus novus. Ausgewählte Schriften 2, S. 352‑65.

[18] Siehe Hilde Benjamin, Georg Benjamin. Eine Biographie, in der Reihe: Humanisten der Tat. Hervorragende Ärzte im Dienste des Menschen, Leipzig 31987.

[19] Walter Benjamin, „Geschichtsphilosophische Thesen“ / Über den Begriff der Geschichte, in W. Benjamin, Illuminationen. Ausgewählte Schriften, Frankfurt/Main 1961, S. 275. Es scheint mir zwar hei­kel aus Benjamins in die­ser letz­ten sei­ner Schriften kom­plex zusam­men­ge­stell­ten Gedankengängen, die einen gewal­ti­gen Denkakt unter erneu­tem Einschluss theo­lo­gi­scher resp. mes­sia­ni­scher Traditionen dar­stellt, ein Zitat her­aus­zu­bre­chen. Dennoch könn­te es nicht unnütz sein, ein­mal par­ti­ku­la­re Gedanken aus Benjamins Konglomerat hete­ro­ge­ner Elemente auf ihre Tauglichkeit hin zu prü­fen, indem man nach ihren poli­ti­schen Konsequenzen fragt.

[20] Hans Mayer, Der Turm von Babel. Erinnerungen an eine Deutsche Demokratische Republik, Frankfurt/Main 1991, S. 159.