A Flag Is Born — Eine Flagge ist geboren — Kurt Weills Beitrag zur Vorbereitung der Staatsgründung Israels

Eine Notiz zum sieb­zigs­ten Jahrestag des Staates der Juden in Palästina

 

War es mög­lich, den von der Vernichtungsmaschinerie des deut­schen Faschismus bedroh­ten Juden ener­gi­scher zu hel­fen, als es den west­li­chen Demokratien mög­lich schien? Die Gruppe um Hillel Kook, ali­as Peter Bergson, ver­such­te es in den USA. Er gewann unter ande­ren die Hearst-Zeitungsgruppe, Eleanor Roosevelt, Lion Feuchtwanger und Groucho Marx für die Sache. Und er gewann den zuvor eher apo­li­ti­schen Schriftsteller und Drehbuchautor Ben Hecht. Zusammen mit ihm schrieb Kurt Weill „We Will Never Die — Niemals wer­den wir ster­ben“, das ein öffent­li­ches Bewusstsein über den Massenmord an der euro­päi­schen Judenheit herstellte.

Nach dem mili­tä­ri­schen Sieg über Nazi-Deutschland, als das Ausmaß der Verbrechen all­mäh­lich sicht­bar wur­de — und auch heu­te noch, nach über sieb­zig Jahren, wer­den neue Details ent­deckt — soll­te den schwerst trau­ma­ti­sier­ten Überlebenden der Lager, die als „Displaced Persons“ not­dürf­tig in einer oft­mals feind­se­lig gesinn­ten Umgebung ver­sorgt wur­den, ein siche­rer Platz, eine Heimat in Palästina gebo­ten wer­den. Mit Waffengewalt not­falls woll­te die auch von vie­len Zionisten bearg­wöhn­te Gruppe um Bergson dies durch­set­zen — gegen die bri­ti­sche Mandatsmacht und auch gegen die Araber.

Wieder arbei­te­te Ben Hecht mit Kurt Weill zusam­men: „A Flag Is Born“ ent­stand 1946, ein expli­zit poli­ti­sches Stück, um Geld für Schiffe — zum Transport der Überlebenden nach Palästina — und Waffen — um sie dort zu beschüt­zen — zu sam­meln. Hecht und Weill arbei­te­ten ohne Honorar. Die Schauspieler gaben sich mit dem von der Gewerkschaft gefor­der­ten Minimum zufrie­den. Es waren die Stars Celia Adler und Paul Muni, in den Rollen geschwäch­ter Überlebender aus dem Vernichtungslager Treblinka (im von Nazideutschland besetz­ten Osten) und, als zor­ni­ger jun­ger Mann, eben­falls ein Lager-Überlebender, der jun­ge Marlon Brando.

An den Show-Business-Aktivitäten zur Unterstützung der Rüstungsanstrengungen der USA gegen den mit der Welteroberung dro­hen­den deut­schen Faschismus — der mit Japan ver­bün­det war  —  hat­te sich Kurt Weill schon betei­ligt, bei­spiels­wei­se mit dem Song „Buddy on the Nightshift“, den Anne Sofie von Otter so wun­der­bar gesun­gen hat. Über sein vom Alten Testament bis zur Nazi-Gegenwart rei­chen­des „Eternal Road“-Oratorium mit dem Text von Franz Werfel in der Regie von Max Reinhardt haben wir aus­führ­lich geschrie­ben. „We Will Never Die“ und „A Flag Is Born“ gehö­ren zum US-amerikanischen Oeuvre Weills. Wer behaup­tet, er sei in den USA gänz­lich unpo­li­tisch gewor­den, irrt sich nicht nur: Er bla­miert sich.  th.z.

A Flag is Born, The American Jewish Historical Society.

Wikipedia-USA über „A Flag Is Born“