Geschmorte Rinderbacken oder was macht eigentlich der Herr Prey das ganze Jahr

Von Sepp Zeitblom

 

Im beschau­li­chen Städtchen Bad Urach gibt es ein Musikfestival, das trotz eines rela­tiv kom­for­ta­blen Etats in Höhe von rund 250.000 Euro von Jahr zu Jahr mehr in Beliebigkeit, Bedeutungslosigkeit und Langeweile ver­sinkt. Es geht um die Herbstlichen Musiktage Bad Urach und deren Misere hat einen Namen: Florian Prey, Bariton, Sohn des Festival-Mitbegründers Hermann Prey. Seit 2006 amtiert Prey juni­or als Künstlerischer Leiter, und nach eini­gen weni­gen ver­hei­ßungs­vol­len Ansätzen, die sich indes bald als Strohfeuer erwie­sen, ist heu­er ein neu­er Tiefpunkt erreicht. Obwohl er ein gan­zes Jahr lang Zeit hat, ein Programm zu konzipieren.

Dürr und wirr ist schon der von Prey im Juli die­ses Jahres ver­schick­te Ankündigungs-Pressetext von gera­de ein­mal 13 Zeilen: Wörtlich ver­spricht er eine „abge­wo­ge­ne Mischung aus instru­men­ta­ler und voka­ler Musik“, und weil über­flüs­si­ger­wei­se Mozarts auch Gran Partita genann­te Suite für Bläser und Kontrabass KV 361 mit einem Ballett ver­ziert wird, for­mu­liert der Herr Prey, wie­der­um wört­lich: „Mozart mit Tanz dürf­te eine neue Seite des Meisters zeigen“.

Glorioser Einfall im Schlaf

Balletakademie, Tanz zu Mozart, Copyrright Ian Whalen, Musiktage Bad Urach

Balletakademie, Copyright Ian Whalen 2014, Pressebild Herbstliche Musiktage Bad Urach 2021

Wie denn, wo denn, was denn? Bloß weil jemand zur Musik hüpft, soll sich „eine neue Seite“ Mozarts offen­ba­ren? Die man am End’ in gut 230 Jahren Rezeptionsgeschichte nicht hat wahr­neh­men kön­nen? Die uns Urachs künst­le­ri­scher Leiter auf­schlägt? In einem von einem Reutlinger Sender aus­ge­strahl­ten Videoclip sagt Prey, er habe einen Traum gehabt, der ihn auf die ver­meint­lich ori­gi­nel­le Idee brach­te, zu Mozarts Musik tan­zen zu las­sen. Vermutlich hat er gezappt, auf Youtube bei­spiels­wei­se, und die Kombination KV 361 mit Tanz der Opera du Rhin in Strasbourg gou­tiert. Das kann ich so ähn­lich auch machen las­sen, wird er sich gedacht haben, genug Geld ist ja da. Und der Lokalpresse steck ich halt, der glo­rio­se Einfall sei mir im Schlaf gekommen.

Prey hat gestanden, nochmals Eichendorffs „Mondnacht“ vertont zu haben

Vor einer Blamage mut­maß­lich bewahr­te ihn das Duo Äneas Humm, Bariton, und Hartmut Höll, Klavier. Prey hat­te näm­lich vor, sich erst­mals als Komponist zu prä­sen­tie­ren. Während des pan­de­mie­be­ding­ten Lockdowns hat er nach eige­nem Geständnis Lieder, teils selbst getex­tet, geschrie­ben, die Humm und Höll in Bad Urach urauf­füh­ren soll­ten, im Abendprogramm mit Liedern auch von Preys aller­dings längst gestor­be­nen Komponisten-Kollegen Beethoven und Strauss. Unter ande­rem hat der Junior die „Mondnacht“ des Joseph von Eichendorff noch­mals ver­tont, an der sich bekannt­lich schon Robert Schumann und Johannes Brahms ver­such­ten. Über 40 Vertonungen gibt es, die letz­te acht­ba­re wohl stammt von Wilhelm Killmayer. Auf Preys Version muss vor­erst ver­zich­tet wer­den, weil Humm und Höll sich schlicht­weg wei­ger­ten, der­lei zu interpretieren.

Diesjähriges Motto: Die neue Zeit

In jedem Jahr grü­belt Prey über eine Art Motto für die Musiktage, und es scheint ihm herz­lich wurscht zu sein, ob es irgend­wie plau­si­bel mit wenigs­tens eini­gen Programm-Inhalten zu ver­bin­den ist. Einmal fiel ihm als Motto „Hommage an das Meer“ (er macht gern Urlaub an der Nordsee), und das Meer wird es sich zu schät­zen wis­sen. Heuer heißt das Motto schlicht „Die neue Zeit“. Was er sich dabei gedacht ( oder bes­ser: nicht gedacht) hat, ver­such­te er vor der Kamera so in Worte zu fassen:

Wir waren die gan­ze Zeit mit unse­rem Materialismus der­ma­ßen ver­bun­den und mei­nen, wir müs­sen alles wis­sen­schaft­lich zum Ausdruck brin­gen und jetzt plötz­lich sehen wir, hey das sind Grenzen irgend­wie und wir müs­sen uns mehr auf unse­re Intuition, auf unser Menschsein, äh, beru­fen und das mehr aus­bau­en und ein­fach die Gefühle mehr aus­bau­en und des­we­gen mei­ne ich ist die Musik da eigent­lich das bes­te Beispiel und das Schönste was wir damit erle­ben kön­nen, ein­fach Gefühle in uns erwe­cken und das kann Musik wunderbar“.

Aber lecker essen

Ein unfass­ba­res Gestammel. Von einem künst­le­ri­schen Leiter. Ausführlicher und auf­schluss­rei­cher sind die Programmbemerkungen zum Festlichen Abendessen in der Künkeles Mühle, am 6. Oktober im Programm, Eintritt 75 Euro, mit Essen, ohne Getränke:

Interessante Geschichten über Land & Leute, von der Vergangenheit ins Heute, Geschichten über      Poeten und Banditen, Heilige und Sünder – Geschichten aus dem Süden. Daraus for­men die Musiker ein Klanggemälde aus bit­ter­sü­ßer Sinnlichkeit, purer Lebensfreude und Leidenschaft. Kenntnisreich, humor­voll und kurz­wei­lig mode­riert Ricardo Volkert dabei den Abend in den Gassen und Tavernen des Südens …(ist natür­lich nicht wahr, es ist bloß die famo­se Künkeles Mühle).

  • Festliches Abendessen

  • Ofenfrischer Ermstäler Rahmkuchen, kräf­ti­ge Fleischbrühe vom Kalbs-Tafelspitz mit Butter- Grießklößchen und Gemüseeinlage

  • Geschmorte Rinderbacken, fei­ne selbst­ge­mach­te Spätzle mit Bratensößle und war­mes Gemüse sowie gemisch­te bun­te Salate vom Markt

  • Omas Rote Grütze von gan­zen Früchten mit Vanillesauce und unse­re duf­ten­de Grießflammeri

Ricardo Volkert (Gitarre, Gesang, Geschichten),
Jost‑H. Hecker (Violoncello), Ludwig Himpsl (Percussion)

Eintrittspreis: 75 Euro (exklu­si­ve Tafelgetränke)“

https://www.herbstliche-musiktage.de/fileadmin/user_upload/programme/HMT_Programm_2021_Website_21-07–29.pdf